Wenn sie von außerhalb auf diese Seite gekommen sind, klicken sie hier um zur Startseite der Künstlerwebseite von Thomas Ogno zu kommen.


Gedicht als Text herunterladen ; Fenster schließen


Das fremde Dach


Ich erwache,
unter einem fremden Dache.
in einem Sessel, polsterweich,
in einem Raum, der ist nicht gleich,
jen' in dem vom Tage ganz und gar,
erschöfpt ich eingeschlafen war.

Ob mein Augenlicht mich trüge,
in meiner leicht verwirrten Rübe?
Vielleicht ich mir das nur erspinn,
dass ich doch ganz woanders bin.

Oder ist es gar noch Traum?
nein, nein, nein, das glaub ich kaum.
Beim Träumen man nicht denkt an Traum,
sonst würd er platzen wie aus Schaum.

Ich blick gespannt,
auf jene vor mir stehen'd Wand.
Darin sich eine Tür befind',
doch wo führt sie wohl hin mein Kind?

Einmal dreh ich selbst mich 'rum,
dann halt ich mich für selbst schon dumm.
Vier Wände seh ich, keine mehr,
doch wo kommt all das Lichte her?

Hier ist kein Fenster, keine Luke,
auf das es hier gar etwa spuke?
Ich stehe auf und seh mich um,
und bleib vor Schrecken völlig stumm.

Alles ist mit Licht durchflutet,
selbst unterm Sessel, sei verbuchet.
Doch nichts wirft einen Schatten hier!
Was zur Höll' passiert mit mir?

Ich blick zum Boden, teppichweich,
und an Verzierung äußerst reich,
bloß eines fällt mir sofort auf,
dass nur ich werf einen Schatten d'rauf,

Vor Angst und Panik ich erschrecke,
und mein Blick fällt auf die Decke,
dort droben ist nur grauer Stein,
kein Licht, kein Lampe, garnichts, nein.

Am Rande ist die Decke doch,
verziert mit viel Figuren noch,
welche fast herauß schon springen,
und sich ineinander schlingen.

Ihre Hände strecken's aus,
als wolltens aus dem Steine raus,
hinein in dieses Zimmer steigen,
um mich zu holen, in ihren Reigen.

Mir grauset bei dem Anblick sehr,
sodas ich nun nicht hinseh mehr.
Ich starre wieder auf die Tür,
sollt ich hindurch gehn, wärt ihr dafür?

Sie ist aus Holze, wohl aus Eiche,
auf das sie nichts und niemand weiche.
Nur wenn man dreht die Klinke dort,
kommt man zu einem andern Ort.

Doch all dies kenn ich doch woher,
und kommt mir schon bekannt vor sehr.
Nur weiß ich nicht, was es bloß sei,
das mich erinnert, an was vorbei.

Zusammen nehm ich nun mein Mut,
dreh die Klinke, worauf tut,
die Tür sich auf und gibt mir, ei,
den Weg zum nächsten Raume frei.

Ich schreit hindurch und blick mich um,
doch bin ich nicht begeistert drum.
Der Raum, er sieht genauso aus,
wie der aus dem ich komm, oh Graus.

Nur dort wo sonst der Stuhle ist,
ein Bett nun seine Tage frist.
Frisch gemacht mit weißen Leinen,
von Geisterhand könnt man fast meinen.

Denn auch in diesem Raum ist Licht,
wo sonst kein Fenster und keine Lampe nicht.
Und die einzig Tür in diesem Raum,
ist jene die ich grad durchschritten hatte kaum.

Ich setzt mich auf das Bettchen drauf,
auf das ich erst einmal verschnauf.
Alles kommt bekannt mir vor,
hier noch mehr als kurz zuvor.

Wie kam ich nur in dies zwei Räume,
wenn ich doch sicherlich nicht träume?
Miteinander sind's verbunden,
doch mehr kann man sich nicht erkunden.

Kein Eingang ist in dies Verlies,
ich auch auf keinen Ausgang stieß.
Wie also kam ich bloß hier rein,
in diese Räumlichkeiten fein?

Und wie ich so darüber grüble,
kommen mir Gedanken üble.
Dieser Raum ist jener doch,
in dem zuletzt ich einschlief noch.

Nun werd ich langsam müde auch,
auf das ich bald in Schlaf eintauch.
Alles langsam sich schon dreht,
um mich und mein Verstand vergeht.

Nur die Fratzen der Gestalten,
die Decken auf den Wänden halten,
seh ich nun noch um mich tanzen,
und Löcher in mein Denken stanzen.

Welche dunklen Teufelskräfte,
führen hier ihre Geschäfte?
Langsam mir mein Geist entschwindet,
und zum Bewusstsein nicht mehr findet.

In wessen G'walt befind ich mich?
Bitte, ich beschwöre dich,
führ dies zu einem Ende gschwind'!
Nein nicht schon wieder, es beginnt!

Ich erwache,
unter einem fremden Dache.


 - Thomas Ogno, 2007


zum Anfang ; Fenster schließen


Bei Fragen, Lob, Kritik, Anregungen usw. bitte Email an: ogno@ogno.at